Neue Ärzte braucht das Land

01. 11. 2007

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

geht es Ihnen auch so? Besonders nach der Rückkehr aus anderen Regionen spüre ich, wie schön unser Land ist.
Wenn dann Gesprächspartner im Ausland beim Nennen unserer Heimat ins Schwärmen geraten, wird klar, das uns Selbstverständliche ist etwas besonders Schönes.

Was Dichter besingen und wir einfach „wie e bissl scheen“ benennen, bezeichnet der Volkswirt als „weichen Standortfaktor“.
Über den „harten Standortfaktor“ Geld haben wir an dieser Stelle schon oft gesprochen und werden es weiter tun und nicht
nur reden. Bis dahin suchen wir weiter nach Lösungen, um wenigstens Schwerpunktprobleme zu lösen.

gemeinsam

Gemeinsam mit dem Sächsischen Sozialministerium, der Sächsischen Landesärztekammer, der Sächsischen Krankenhausgesellschaft und den sächsischen Krankenkassen starten wir das Projekt „Neue Ärzte braucht das Land“.
Es gibt ja viele einzelne Aktivitäten, die allgemein gar nicht so bekannt sind. Diese zu koordinieren, Interessenten z. B.
über das Internet einzuladen, sich vor Ort zu informieren und Arztsucher im eigenen Land zu weiteren Initiativen zu
ermutigen, sind unsere zentralen Anliegen. Dabei wollen wir Angebotspakete vom Förderprogramm über die Niederlassungsberatung bis zur individuellen Unterstützung durch die suchende Gemeinde bündeln und das dann
kommunizieren.

gefragt

Die Zeitschrift „Healthy Living“ hat durch Ihre Umfrage in den Medien für Furore gesorgt. Mit 10 gesundheitsbezogenen
Fragen auf 17.000 ausgefüllten Fragebögen in 95 deutschen Postleitzahlregionen entstand ein „Ranking zur Zufriedenheit
mit den gesundheitlichen Verhältnissen in Deutschland“.

Da kommt dann heraus, dass die Befragten in Ostsachsen sehr lange auf einen Facharzttermin warten müssen.
Das überrascht uns nicht wirklich und betrifft nicht nur die Lausitz. Schließ­lich erreichen etwa ein Drittel unserer
niedergelassenen Kollegen in den nächsten 5 Jahren das Rentenalter. Zeitnah zu der Studie meldet die BILD-Zeitung
unter Berufung auf BÄK und KBV „Zahl der deutschen Ärzte im Ausland auf 16.000 gestiegen.“ Wer dann noch von einer „Luxusversorgung“ in Sachsen spricht, dem kann ich auch nicht mehr helfen, schon gar nicht als Vertreterin der
Fachärzte.

geworben

Umso erfreulicher ist es, dass zunehmend österreichische Kolleginnen und Kollegen nach Sachsen kommen.
Auf Seite 5 berichten wir ausführlicher dazu. Herzlich willkommen! Vergessen wir dabei aber nicht, dass dadurch
das Problem nicht generell gelöst wird, nur an einigen Stellen gelindert.

Dabei helfen unsere monatlich aktualisierte Praxisbörse, Infoveranstaltungen bei Medizinstudenten an den sächsischen
Unis und viele Aktivitäten im Hintergrund. Es bleibt ein ständiger Balanceakt zwischen der wiederholten Forderung nach ausreichender Finanzierung der ambulanten Medizin in Ostdeutschland und der Werbung junger Kollegen für diesen unterfinanzierten Bereich. Lassen Sie es mich mit einem literarischen Beispiel sagen: Prof. Nägler*) fragt seinen angehenden Schwiegersohn, wovon er gedenke, eine zu gründende Familie zu ernähren. Dieser verweist darauf, dass er eines Tages
die Fabrik seines Vaters leiten werde. Lakonische Antwort des Professors: „So lange können sie aber nicht mit der Ernährung warten“.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, so lange können auch wir nicht mit der Behandlung unserer Patienten warten, bis die
Finanzierung geregelt ist. „Bleibe im Lande und wehre dich täglich“, dieses Mutes bedarf es immer wieder und dazu lade ich besonders junge Absolventen und Kollegen ein.

gefördert

Einige Fördermaßnahmen gibt es bereits, nicht nur in Torgau-Oschatz. Aktuelle Einzelheiten entnehmen Sie bitte
laufend unseren KVS-Mitteilungen (zuletzt im Heft 9/2007) und unserem Internetauftritt. Sachsen ist übrigens das
einzige Bundesland, das auch Fachärzte fördert. Wir setzen im Gegensatz zu Herrn Prof. Lauterbach weiterhin auf
Gleise mit zwei Schienen, damit der Zug nicht entgleist. Dafür kämpfen wir weiter und laden ein, es mitzutun.

Denn schon Theodor Fontane wusste: „Die Sachsen verdanken das was sie sind, nicht ihrer Gemütlichkeit, sondern
ihrer Energie.“

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihre Stellv. Vorstandsvorsitzende
Ulrike Schwäblein-Sprafke