Entscheidende Phase für die Honorarreform 2009

03. 06. 2008

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat in Ulm beschlossen, dass die Vertragsärzte in Zukunft nicht bereit sein werden, die Verantwortung für die Ausgabenentwicklung im Arzneimittelbereich zu übernehmen. Unüberschaubare Rabattverträge, willkürliche Preisfestlegung durch Pharmafirmen für neu eingeführte Medikamente und zunehmende Verlagerung von ehemals stationären Verordnungen in den ambulanten Bereich verhindern die Möglichkeit der Steuerung dieser Ausgaben durch die Vertragsärzte. Natürlich werden wir auch weiterhin darauf achten, dass Verordnungen wirtschaftlich erfolgen und wenn möglich Generika verwendet werden. Verantwortung können wir allerdings nur für das richtige Medikament bei einer bestimmten Indikation übernehmen! Die Honorarreform 2009 tritt nun in die entscheidende Phase. Bis um 31. August 2008 muss der Bewertungsausschuss den bundeseinheitlichen Orientierungspunktwert festlegen. Zu diesem Zeitpunkt soll auch definiert werden, wie die neue morbiditätsgewichtete Vergütung ab dem Jahr 2009 zu berechnen ist. Politik und KBV betonen hierzu immer wieder, dass die Angleichung der Vergütung zwischen Norden und Süden sowie Osten und Westen ein wesentliches Ziel der Reform sei. Es soll keine Honorarabflüsse aus den Süddeutschen Ländern geben, sondern die Krankenkassen müssen zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Die Forderung des KBV/KV-Systems ist klar – wir benötigen zur Sicherstellung der Versorgung in der Bundesrepublik 4,5 Mrd. Euro zusätzlich, das ist bei einer bisherigen Vergütung von 25,5 Mrd. Euro eine Steigerung von 20 Prozent. Auf Grund der jahrelangen extremen Budgetierung, die bereits zu einer Tendenz der Rationierung von Leistungen geführt hat, ist diese deutliche Anhebung erforderlich. Das bedeutet eine Steigerung von 35 Prozent für die neuen Bundesländer. Nur so ist die von der Bevölkerung gewünschte stabile, wohnortnahe, qualitativ hochwertige, Versorgung durch Haus- und Fachärzte auch weiterhin möglich. Nur so werden wir erreichen, dass wir für unsere Praxen wieder Nachfolger finden und damit die ambulante Versorgung weiterhin garantiert bleibt. Die Messlatte für die Vergütung der Hausärzte wurde in Baden-Württemberg neu gelegt – damit sind die Mindestvergütungen für alle Fachgruppen neu definiert worden! Wenn wir dann noch erreichen, dass die überbordende Bürokratie abgebaut wird, kann Arztsein wieder richtig Freude bereiten.

Dazu wird die am 1. Juli 2008 neu eingeführte Nummernsystematik für Vertragsärzte und Praxen jedoch nicht beitragen. Der Vorstand der KV Sachsen-Anhalt hat versucht, diese zum Teil unsinnigen Regelungen zu verhindern oder zumindest abzumindern. Leider ist uns dies nicht ausreichend gelungen, so dass beispielsweise die Kennzeichnungspflicht für alle Leistungen, Verordnungen und Überweisungen bei fachgleichen Gemeinschaftspraxen nun tatsächlich eingeführt wird. Hierzu werden wir Sie in den kommenden Wochen ausführlich informieren müssen.

Ich wünschen Ihnen einen wohltemperierten Sommeranfang – es kann auch einen heißen Herbst geben!

Ihr
Burkhard John